Power of Feminism

Ich brauche Feminismus weil….
Jetzt wo ich darüber nachdenke ist die Frage ziemlich schwer zu beantworten. Vielleicht sollte ich einfach mal erzählen wie ich zum Feminismus gekommen bin! Vor circa 1,5 Jahren las ich (mit 12 oder 11) in einem Zeitmagazin über TAVI GEVINSON. Und fing es sofort an zu bedauern, dass ich ihre “Blütenzeit” nicht mitbekommen habe. Aber dann wurde im Artikel über ihr Onlinemagazin ROOKIEMAG.COM berichtet, was ich SOFORT anfing zu lesen. Anfangs mit Hilfe von GoogleÜbersetzer, jetzt so.
Rookiemag ist ein Magazin ohne in und out Rubriken. Ein Magazin mit Artikeln über Feminismus, Schule, Musik-Playlisten mit Musik aus den 70ern. Und (fast) alles geschrieben von Mädchen die ungefähr in meinem Alter sind. Ich weiß nicht mehr ob ich mich erst seit Rookiemag für Feminismus interessiere oder auch voher schon.
Aber Tatsache ist, dass Sexismus alltäglich ist. Allein schon die Tatsache, dass ich SEHR komisch angeguckt werde nur weil ich mir nicht die Beine rasiere. ich könnte jetzt Tausend solche Beispiel auflisten! Feminismus gibt mir POWER ich selbst zu sein und dazu zu stehen (zuminst manchmal…). Aber noch eins: ICH SUCHE KONTAKT ZU MÄDCHEN UNGEFÄHR IN MEINEM ALTER DIE SICH AUCH FÜR FEMINISMUS ETC. INTERESSIEREN!!!

Simone, 14 Jahre alt

Anmerkung: Wir leiten eure Nachrichten gerne an Simone weiter, sendet einfach eine Nachricht an: kontakt@werbrauchtfeminismus.de

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Feminismus gegen sexuellen Missbrauch

Ich bin 21, Erzieherin.

Durch meinen Beruf und meiner Ausbildung Beschäftig(t)e ich mich stark mit dem Thema sexuellen Missbrauch.
Fakt ist, dass in der EU(!) jährlich mehr als 1 Millionen(!) Kinder und Jugendliche verschwinden!
Diese werden meist verkauft – man findet sie dann in den verschiedensten Porno-Internetseiten wieder, wo sie wiederum Angeboten und zur Schau gestellt werden. “Entsorgung” ist gewährleistet.

Täglich werden Kinder und Jugendliche vergewaltigt, von den Eigenen Vätern, Onkeln, Brüder – ihre Mütter schauen zu – und das war schon immer so. z. T. schon als Babys.
Fälle, in denen Frauen die Täterrolle spielen, kommen nur vereinzelt vor.

Warum?

Weil diese (Langzeit-)Täter nicht wissen, dass das, was sie machen, falsch ist.

Um diese furchtbaren Ereignisse längerfristig ändern zu können, muss sich das Grundverständnis und das Menschenbild der Gesellschaft ändern.
Feminismus heißt NICHT Männerfeindlichkeit. Feminismus heißt, dass das weibliche Wesen mit all ihrer Vollkommenheit des Körpers und der Seele vom anderen Geschlecht akzeptiert – und besonders RESPEKTIERT – wird!

…… apropos Frau, Körper und Respekt……

Ist euch bewusst, was Frauen oft durchmachen müssen um als weiblich/attraktiv/Selbstständig zu gelten?

- Pille/Nuva-Ring etc.: Tägliche Hormone, künstliche Menstruationszyklen
- Menstruationsbeschwerden: 3-5 Tage pro Monat Schmerzen, Stimmungsschwankungen
- Haarentfernung: Beine, Intim, Achseln – 1x pro Woche
- Gewicht/Sport: Übergewichtige Frauen (auch Männer) müssen tägliche Hürden bewältigen und Wiederstandsfähigkeit zeigen, sie sind dazu “gezwungen” innerlich Stark zu sein
- Schwangerschaft: Ist keine Krankheit!
- Abtreibung: Kann zu Depressionen und soz. Isolation führen

….Evolutionstechnisch gesehen überleben wir nur dank der weiblichen Brust, sie bietet Nahrung und Antikörper für Säuglinge – dies ist die beste Muttermilch.
Warum muss sie dann auch noch gleichzeitig als ein absolutes Sexuell erregendes Organ wirken? Warum dürfen wir nicht mit nacktem Oberkörper herumlaufen, ohne dass es Eifersucht, Empörung oder Notgeilheit auslöst? Warum brauchen wir Verhütung um Selbstständig leben zu können? Warum müssen die Beine im Sommer am See immer glatt rasiert sein, obwohl doch die Haare (wie der natürliche Zyklus) zum natürlichen Menchen dazugehört?

Für mich trägt Feminismus für den respektvollen Umgang innerhalb der heutigen Gesellschaft bei. Deswegen brauchen wir es!

ps. Ja, ich rasiere mich. Finde es jedoch nervig, das durchgehend tun zu müssen!
und jetzt… wieder positiv denken :-)

Lucy aus Regensburg, 21 Jahre

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schon mein ganzes Leben lang…

…war mir klar, dass Frauen an vielen Stellen strukturell und absichtlich benachteiligt sind.
Als Schwester habe ich für den gemeinsamen Abwasch streiten müssen, für mein Studium und die Verteilung der Arbeitszeit zwischen meinem Mann und mir in meiner großen Familie mit vier Kindern.
Als Lehrerin sah ich, dass Mädchen zu besseren intellektuellen Leistungen fähig sind, weil ihre instinktiven Verhaltensweisen oft einfach produktiv genannt werden können. Dass Mädchen mit migrantischem Hintergrund klaglos Benachteiligungen hinnahmen und andere Mädchen viel stärker für ihre Rechte eintraten, zeigte mir, wie erfolgreich differenzierte Sprache eingesetzt werden kann. Dafür lohnte sich mein Beruf. Er lohnte sich auch als finanzieller Hintergrund für meine persönliche Entscheidungsfreiheit und als Alterssicherung.

Beim liebevollen gemeinsamen Blick auf das Leben schwer kranker und sterbender Frauen als Begleiterin in einer Krebsstation allerdings ballt sich in mir Kampfgeist zusammen.
Frauen werden älter, weil sie nicht in den Kriegen an vorderster Front kämpfen mussten. Aber sie wollen und wollten gar keinen Krieg und schon gar nicht, dass ihre Familie und Freunde davon beeinträchtigt wurden.
Aber in den Jahren vor ihrem Tod werden sie deutlich seltener von liebevollen Partnern betreut. Wenn sie dann von der öffentlichen Pflege abhängig sind, kommen die niedrigere Rente (etwas mehr als die Hälfte von dem, was Männer bekommen) und der Pflegenotstand in Deutschland auf sie zu. Es gilt für Frauen große Aufmerksamkeit auf die Veränderung von Alterssicherung und Pflegeversicherung zu legen. Dazu ist es nötig, dass Frauen genau so hohe Renten wie Männer bekommen, bzw. dass eine Grundsicherung für alle Frauen von aktuell 1050 Euro ausgezahlt wird.

Elisabeth Maatz aus Recklinghausen, 62 Jahre

Homepage: http://www.lisa-frauen.de

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Das Wildschwein und die Prinzessin auf der Erbse: Wie Frauen sich ins vorletzte Jahrundert zurückbeamen

„Men, men, men, men, many men men…“ Selten so gelacht wie bei den „Two and a half men“ manchmal. Auf lässig anarchische Art kommen die beiden Typen so flockig angeschlichen, dass man nichts Böses ahnt. In Wirklichkeit wird hier wieder das Uralt-Klischee befüttert, dass der intellektuelle, aber liebe Loser Alan gegen das Super-Wildschwein (Charly) nicht den Hauch einer Schnitte hat, weil Frauen insgeheim den Silberrücken mit gigantischer Potenz und Fuselfahne dem gebildeten Arzt mit City-Hemd vorziehen und nichts lieber tun als sich von ihm kaufen und flachlegen lassen. Natürlich ist ein selbstironischer Unterton dabei, wenn sich die beiden Gestalten im Bademantel Gemeinheiten an den Kopf werfen. Doch das Thema und die Stereotype sind von anno tuck und nicht einmal halb so unverfroren wie die schwulen Pärchen oder promisken WGs in anderen amerikanischen Serien. Dennoch ziehen sie beneidenswert viel Aufmerksamkeit auf sich. Mario Barth füllt mit gleichem Programm und Inhalt seit Jahren die größten Hallen und selbst in den Regalen mit Sachbüchern finden sich die Mario Barths und Charlys unter den Bestsellern der Wissenschaftsautoren, die noch wesentlich intelligenter die Überzeugung verbreiten, alles sei im Geschlechterverhältnis gerade so, wie es passt und müsse, könne, dürfe sich auch nicht ändern.
Die beiden Hauptdarsteller Alan und Charly sind Fleisch gewordene Belege für die aktuelle wissenschaftliche Tendenz einiger Soziobiologen, die Geschlechterunterschiede mit stammesgeschichtlichen Belegen zu unterfüttern. Die Theorie, dass Männer und Frauen nur ihrem biologischen Erbe folgen, gar nicht anders können und deswegen sämtliche Bemühungen um Gleichberechtigung zum Scheitern verurteilt sind, manifestieren sich in Charlys rülpsenden, furzenden und reihenweise Frauen flach legenden Alter Ego. Grunz, grunz. Die Frauen hingegen sind entweder Prostituierte, die Charly sich von seinem üppigen Honorar als Musiker prima leisten kann, oder verkopfte Nervensägen, die Alan mit nach Hause bringt um sich in ihren hautfarbenen BH-Trägern hilflos zu vernesteln. Charly, das Alpha-Männchen, Alan, der unterlegene Zweite, der sich auch mal vordrängeln darf, wenn es um die Verbreitung seines Erbgutes geht.
Wie verhalten sich Frauen bloß, wenn Sie mit solchen Typen konfrontiert werden? Wie unterscheidet die Amerikanerin das Wildschwein vom langweiligen Trottel? Kurz: Wie zähmt die auf effiziente Verwaltung ihrer Eizellen und Erhaltung ihrer makellosen Hülle bedachte Prinzessin auf der Erbse den Ansturm der brünftigen Wildschweine? Mit sinnvoller Vorauslese nach bewährten Prüfparametern: Augen auf beim ersten Date, liebe marktreife Frauen! Es ist eine Wissenschaft für sich, das Date. Regel Nummer eins: Man „datet“ heute jemanden. Insbesondere daten Männer Frauen, jedenfalls in Amerika. Daten ist durch diese Akkusativ-Wendung zur Tätigkeit geworden, die man mit jemandem tut, der dabei passiv ist, ähnlich wie bei „Man frisiert jemanden“ oder „Man jagt etwas“. Das sagt schon eine ganze Menge darüber aus, welchen Stellenwert und welche Funktion solche Treffen besonders für die beteiligten Frauen haben. In Amerika haben Dates inzwischen eine ganze andere Dramaturgie als bei uns die Rendezvous oder auf deutsch ganz unromantisch „Treffen“ genannt (Auf Deutsch sagt man immer noch: „Man trifft sich.“
Ohne wortklauberisch sein zu wollen, spricht aus dieser ebenfalls wenig liebevollen Bezeichnung zumindest eine gewisse Gegenseitigkeit). Daten gilt in Amerika als Abchecken des Marktwertes, der Passung, des Potentials für die weiter folgenden, konventionell fest vereinbarten Schritte.Insofern ist das Daten der konsumorientierten Gesellschaft bereits perfekt angepasst.

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Wie sich mein feministisches Bewusstsein verändert hat…

Ich bin Feministin seit meiner Pubertät…aufgewachsen im Patriarchat war mir sehr früh klar das Frauen sich wehren müssen, das Feminismus ein MUSS zum Überleben ist.

Früher war ich laut, manchmal Männer-feindlich…ich denke das war zu einer Zeit die sowas gebraucht hat, laut zu sagen was man denkt, auf den Tisch zu hauen.
Wir Mädchen lebten ja in einer Welt in der männliche Übergriffe an der Tagesordnung waren…meistens so “kleine” das man es kaum in Worte fassen konnte. Zu dieser Zeit wurde ich von dem meisten Frauen belächelt, man nahm mich nicht ernst…die Spinnereien einer Heranwachsenden halt.

Später wurde mein Feminismus etwas leiser, mehr geprägt von Logik als von Gefühlen, begleitet von einem gesunden Selbstbewusstsein. In diese Zeit hinnein habe ich mich entschieden Mutter zu werden. Damit kam für mich auch die Entscheidung erstmal Hausfrau zu sein, da zu sein für meine Kinder.
Diese Entscheidung habe ich frei und ohne Zwang getroffen, und doch stieß sie bei den meisten Frauen die ich kannte auf Ablehnung, Unwillen und Unverständnis.
Für einige Frauen war die bloße Tatsache zwei Söhne geboren zu haben ein Grausen…
Das hat mich damals sehr verstört und verletzt, denn Feminismus bedeute, damals wie heute, für mich; Ich kann sein wer ich will. Irgendwie konnte ich mich eine ganze Weile keiner der Frauen die ich kannte mehr “zuordnen”.
Auf der einen Seite die Mütter, oft Frauen die sich selber völlig aufgegeben hatten. Auf der anderen Seite die Feministinnen die mich ja quasi “verstossen” hatten.
Es hat mehrere Jahre gedauert wieder einen Zugang zu Frauen zu finden die ähnlich tickten wie ich.

In der Zeit hatte ich ein weiteres Aha-Erlebnis.Zum Internationaler Frauentag waren mein Mann und ich in der Stadt unterwegs und wollten Essen gehen. In diesem Restaurant saßen mehrere Frauen, Feministinnen wie sie sich selber nannten, und weigerten sich von einem männlichen Kellner bedient zu werden. Da keine Kellnerin anwesend war haben die drei Damen dann den Rest vom Abend diesem Kellner das Leben schwer gemacht…Ich saß da und habe mich für diese Frauen geschämt und musste mein feministisches Denken einmal mehr überprüfen.

Heute wünsche ich mir, nein, eigentlich verlange ich zB.:

Das Frauen in ihrem selbstgewählten Leben angenommen werden, weg mit dem Denken in Schubladen! Es kann nicht sein das ich von “Hausfrauen” zu hören bekomme “Naja, mit dem Feminismus hab ich nichts am Hut weil ich ja nicht mitmache…”

Das Feminismus nicht bedeutet wir diskriminieren Männer.

Das “Frausein” nicht automatisch “Bessersein” bedeutet.

Das Söhne nicht schlechter sind als Töchter. Denn nichts bereitet den Nährboden für Frauenhass besser vor als schwache Männer die voller Angst und Unsicherheit sind.

Das Menschen, egal wie sie sind, endlich kapieren wie wichtig es ist mit dem Geschlechterkampf auf zu hören.

Ich bin froh heute in einer Zeit zu leben in der ich immer öfter, zumeist junge Frauen treffe die das verstanden haben. Aber Arbeit steckt immer noch eine Menge drin…

Stefanie aus Saarbrücken, 43 Jahre

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Wie ich zum Feminismus kam

Eigentlich bin nicht ich zum Feminismus gekommen, sondern die Realität hat mich zu ihm geführt. Bis zu meinem 14. Lebensjahr habe ich mir keine großen Gedanken bezüglich dieses Themas gemacht. Für mich war klar, Mädchen und Jungs sind zwar unterschiedlich, haben allerdings dieselben Rechte, Möglichkeiten und stehen sich in nichts nach.
Tja, ich war jung.
Dann kam das Schulpraktikum. Dieses Praktikum wollten meine beste Freundin und ich bei einer Autowerkstatt absolvieren. Leider hatten wir für diese Tätigkeit das falsche Geschlecht. Insgesamt acht Autowerkstätten lehnten uns ab, aufgrund fehlender sanitärer Anlagen für Frauen.
In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich vielleicht keine Unterschiede machte zwischen Jungen und Mädchen, die Gesellschaft sehr wohl.
Ich begann mich mit dem Feminismus zu beschäftigen, und hatte durch meine aufmüpfige Art auch schnell den Ruf als Feministin oder Emanze weg, was mich immer wieder in Erstaunen versetzte. Ich verbrannte keine BHs, hatte genauso viele männliche wie weibliche Freund, trat einfach nur für “Gleiches Recht für alle!“ ein.
All diese Merkwürdigkeiten, die mir begegneten, brachten mich dazu “Der alltägliche Wahnsinn der Frau“ zu schreiben. Mein Buch sollte eine Hommage an die Frauen und ihre Unterschiede werden, doch ich erntete viel Feindschaft, vor allem von Frauen. Besonders Frauen in meinem damaligen Alter (so zwischen 21 und 27) reagierten sehr ablehnend auf das Thema Feminismus. Wir seien schon längst gleichberechtigt, das Thema sei nicht mehr aktuell. Damals wurde mir vorgeworfen, ich sei zu feministisch. Heute, nachdem die Sexismus-Debatte wieder entbrannt ist, wird mir vorgeworfen, ich sei zu unfeministisch.
Wenn mich ein Mann als “Männerhasserin“ betitelt, ist das genauso widersinnig, wie der Vorwurf von Feministinnen, ich sei “auf der Seite der Mächtigen“. Ich bin weder für die eine Seite, noch bin ich für die andere Seite.
Ich bin für Gemeinsam! (ich habe es extra groß geschrieben)
Denn nur gemeinsam kann man wirklich etwas bewirken und verändern. Genau das ist für mich Feminismus, gemeinsam einen respektvollen, gleichwertigen und gleichgestellten Umgang miteinander finden und leben.

Angele Gäde, 33 Jahre
Homepage: http://angelagaede.blogspot.de

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Köpfe waschen und Ärsche treten

Ich bin in der ehemaligen DDR aufgewachsen – da war vom Feminismus nicht viel zu sehen. Aber dafür hat man sich und seine Umwelt ständig selbst infrage gestellt, wenn es um den Gerechtigkeitssinn und die Mitmenschlichkeit ging: Komme ich der Aufforderung meiner Klassenlehrerin nach, meinem besten Freund vor versammelter Klasse wegen fehlender Pioniermitgliedschaft eine Ohrfeige zu verpassen oder riskiere ich einen Tadel und den möglichen Schulverweis? Was ist gerecht? Wo beginnt das Fairnessgebot und wo hört es gegebenenfalls auf? Wie sollte die Gesellschaft, in der wir leben, beschaffen sein?

Nach dem Fall der Mauer hatte ich endlich Zugriff auf mehr als einen Ausschnitt der Literatur, die sich mit diesen Fragen beschäftigt. Die wichtigsten Erlebnisse auf dem Weg Richtung Feminismus waren aber sicher die Schwangerschaften meiner Lebensgefährtin und die Geburt meiner Kinder. Kinder und Familie sind Backlashterrain in seiner reinsten Form. Wir wurden mit geschlechtsspezifischen Zuschreibungen, Klischees und Absurditäten überschüttet wie mit Gülle: Wenn Frauenhaare dunkler werden, dann wird es ein Mädchen. Die glückliche Mutter, der stolze Vater. Das bisschen Haushalt. Der Vati geht dann mal arbeiten. Spätestens mit den Kindern wurde Feminismus aus einem gesellschaftsanalytischen Instrument zur konkreten Notwehrmaßnahme. Sonst wird man plötzlich ganz schnell zu Elternabenden zum Thema „Hausaufgaben erledigen wie eine Prinzessin“ oder „Wie diszipliniere ich meinen Jungen“ eingeladen. Glauben Sie mir nicht?! Tja, alles schon erlebt.

Feminismus interessiert mich immer dann am meisten, wenn er den Finger in die Wunden legt und konkrete Dinge anstößt. Wenn meine Kinder für gute Schulleistungen je nach Geschlecht entweder als fleißig oder begabt bezeichnet werden, dann ringt mir das nicht nur ein müdes Lächeln ab, sondern kotzt mich an. Dann tue ich, was ich für nötig halte: Den Mund fusselig reden, Köpfe waschen, Ärsche treten, Röcke tragen, Artikel schreiben. Dass das auf viele weltverbesserisch und nervig wirkt, ist klar. Feminismus ist keine Konsenshaltung sondern eine Benennung gesellschaftlicher Missstände, welche die gegeben Machtverhältnisse in Frage stellt. Wer sich Streit sucht, der kriegt auch welchen. Von daher sollte man am Streit eine gesunde Portion Spaß entwickeln, sonst läuft man immer wieder Gefahr, sich für seine feministische Haltung auch noch entschuldigen zu müssen. Nix da, volle Kraft voraus.

Ich brauche Feminismus, weil ich es nicht ertrage, in einer „Ach herrje, wie konnte das passieren“ – Gemeinschaft zu leben. Ich habe keinen Bock auf eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, auf zementierte Herren-Sklavinnen-Konstellationen und geschlechtsspezifischen Klischeetotalitarismus. Wenn ich will, geh ich auf der Venus Schuhe shoppen und wenn sie will, parkt meine Freundin auf dem Mars ein. Der Kuchen wird gerecht geteilt. Der Mist übrigens auch.

Nils Pickert, freier Autor und Journalist

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ich brauche Feminismus

Hallo zusammen :)
bin ich froh darüber,nicht alleine da zu stehen, mit meiner Meinung, dass Sexismus einfach nur furchtbar ist.
ich bin 23 Jahre alt und beschäftige mich seit meinem 16.Lebensjahr mit diesem Thema bzw.es lässt mich seitdem nicht mehr los.
ja,mich ärgert dieses Thema so sehr, dass ich aufgrund dessen überhaupt kein Fernseh mehr schaue. aber es reicht,was man in Einkaufsläden oder mitten in der Stadt/im Dorf (auf Plakaten/Werbung) sieht – überall nackte Haut – überall wird der Fokus auf das Aussehen gelegt, auf falsche Werte/falsche Ideale.
warum es Frauen gibt, die sich selbst gerne als Sexobjekt darstellen (lassen), ich weiß es nicht. jedenfalls, so finde ich, gehören solche Leute verboten (wenn es nur irgendwie ginge), denn sie sind ein absolut schlechtes Vorbild und geben vor etwas Begehrenswertes zu sein. und leider, leider, leider fühlen sich so viele (junge) Frauen wegen solchen Bildern/Spots nicht wohl in ihrer eigenen Haut, weil ihnen etwas vorgegaukelt wird, was einfach nicht so ist.
und außerdem kommt Schönheit von innen. ich kann keinen Menschen schön finden, den ich nicht mag. und ich mag die ganzen Models/Schauspieler nicht, denn ich kenne sie nicht (und werde sie nie kennen lernen wollen).
und meiner Meinung nach ist ein Mensch, der trainiert (und dies zur Schau stellt), gestylt/geschminkt und möglicherweise operiert ist, sowie alles andere als schön.
und was man sich vor Augen halten sollte- natürlich haben Models/Schauspieler einen trainierten Körper, denn das ist, leider, ihr Job. dafür werde sie,leider bezahlt. Diese Leute sitzen nicht, wie manch andere(r) 8 Stunden im Büro, nein, sie gehen trainieren. und das nur, weil, wer auch immer denkt, es sei schön. wer auch immer auf diesen Blödsinn gekommen ist, dass es auf soetwas ankommt bei einem Menschen, ich würde ihn gerne nehmen und wachrütteln.
so, das war mein Statement ;)
Liebe Grüße an euch. ich wünsche mir sehr, dass sich bald etwas ändert in unserer Gesellschaft/in dem Denken unserer Gesellschaft…

Lisa, 23 Jahre
Homepage: http://www.facebook.com/WerSchweigtstimmtZuEingreifenGegenSexismus

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Umdenken

Ein Praktikum in der größten feministischen NGO der Türkei. Damit fing es wohl an.
“Wird schon nicht so schlimm sein”, dachte ich mit tausenden dummen Vorurteilen über Feminismus in meinem Kopf.

Kennengelernt habe ich bewundernswerte Frauen, die gemeinsam so leidenschaftlich für ihre Ideen gearbeitet haben, wie ich es selten erlebt habe.
Kennengelernt habe ich auch ein komplett neues Weltbild, welches ich in mein bis dato gültiges integrieren durfte.
Kennengelernt habe ich Menschen, mit denen ich unbezwungen über viele Grenzen und Probleme diskutieren durfte.

Wieder in Deutschland musste ich aber auch lernen, dass meine Dozentin davon ausgeht, dass der deutsche Feminismus schon weiter sei.

ABER GEHT ES NICHT GENAU DARUM, DASS DER FEMINISMUS NEU BETRACHTET WERDEN DARF, DASS ER SICH VERÄNDERN DARF, DASS WIR IMMER WIDER NEU VONEINANDER LERNEN? UND VOR ALLEM AUCH,DASS WIR UNSERE VORURTEILE ÜBER BORD WERFEN?!

Christina aus Koblenz

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I need feminism!

Die Sommerferien haben angefangen und ich verbringe sie in meiner alten ländlichen Heimat, weit weg von der Geborgenheit der Uni in der Großstadt und dieser queer-feministischen Blase, die mich dort umgibt. Mit meinen Freund*innen muss ich nicht über meine Lebenseinstellung diskutieren, hier, wo sich alle über’s Land verstreuen und ich ,,alleine” bin, stoße ich ständig an meine Grenzen, so auch in folgender Situation.
Als ich gestern an einer reinen Mädchen*schule einen Workshop zum Thema Gleichberechtigung & Feminismus gehalten habe, musste ich leider feststellen, dass fast alle jungen Frauen* dort der Überzeugung sind, bis auf die Einkommensschere völlig gleichberechtigt zu sein. Grundsätzlich finde ich es wundervoll, wenn junge Menschen mutig sind und sich nicht unterkriegen lassen, schließlich steht ihnen die Welt offen – aber wie soll man 16-jährigen schonend beibringen, dass sie trauriger Weise nicht alle dieselben Möglichkeiten haben? Wie soll man ihnen übermitteln, dass sie theoretisch natürlich als Mütter* alleine Urlaub machen und das kleine Kind – im Fall einer heterosexuellen Beziehung – beim Vater* lassen können, in der Praxis aber nicht selten aufs Schärfste verurteilt werden? Wie hätte ich ihnen sagen sollen, dass man ,,Rabenmutter” ständig irgendwo vernimmt, ,,Rabenvater” aber nur äußerst selten? Und was hätten sie wohl gefühlt, hätte ich ihnen verraten, dass ihre geliebten Modelshows Frauen* systematisch diskriminieren und zu Objekten degradieren – zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein. (Ich habe den Fehler begangen zu denken, dass dies mittlerweile zu allen durchgedrungen sei.)
Natürlich – und zum Glück – ist nicht alles so dramatisch. Wir haben im Kampf um Frauen*-, also Menschenrechte sehr viel erreicht und ich für meinen Teil werde ganz sicher weiter kämpfen, solange mir junge Mädchen* mitteilen, dass gendergerechte Sprache sowieso nicht wichtig sei, weil es ,,größere Probleme” gibt, dass Feminismus meistens echt nervt und dass wir doch eh alle dieselben Rechte haben. Genau aus diesem Grund brauche ich Feminismus.

Mary aus Wien, 24 Jahre

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